Home | Impressum
25.07.2017


Pressemeldungen

 

27.04.2017 - Änderung von Straßenbenennungen - Stellungnahme des CSU-Fraktionsvorsitzenden zur Anfrage der Nordbayerischen Nachrichten


NN: Wann ist für Sie der Punkt erreicht, dass Sie die Umbenennung einer Straße befürworten?

Für mich persönlich ist dies Fall, wenn der bisherige Namensgeber nachweislich die Würde des Menschen bzw. Menschenrechte, wie das Recht auf Leben oder Unversehrtheit, missachtet hat.
Unwesentlich ist hierbei, welche Methode derjenige hierbei ggf. wählte, ob er also unmittelbar handelte oder mittels Wort oder Schrift tätig war.

NN: Was sind generell für Sie Anlässe, eine Straßenumbenennung zu überlegen/fordern?

Vorrangig sind dies Anlässe aus oben genanntem Grund, bei welchen die Entfernung eines Namens bzw. der Abbau eines Straßenschildes im Vordergrund steht.
Ansonsten sollten bei Neubezeichnungen Vorbilder berücksichtigt werden:
zum einen Vorbilder aus unserer Stadt selbst, beispielsweise in kultureller oder gemeinwohlorientierter Hinsicht verdiente Bürgerinnen und Bürger,
zum anderen Vorbilder der Zeitgeschichte, beispielsweise Menschen, die durch Courage und Menschlichkeit in Erscheinung traten. Ich selbst wirkte in diesem Sinne zusammen mit anderen über Jahre hinweg darauf hin, dass wir in Forchheim eine Dietrich Bonhoeffer Straße haben.

NN: Wie stehen Sie zu den Fällen Guttenbrunn und Hans Watzlik? Können die beiden Personen weiterhin Straßenschilder in Forchheim zieren?

Hinsichtlich des deutsch-österreichern Schriftstellers und Journalisten Adam Müller-Guttenbrunn ist festzustellen, dass dieser als Kämpfer der Banater Schwaben für Freiheit und Gleichberechtigung gegenüber den Ungarn in Erscheinung getreten ist. Andernorts existieren nach ihm benannte Institutionen (beispielsweise Schule oder Pflegeheim), die hinsichtlich ihrer Bedeutung über Straßenbenennungen hinausgehen.
Der deutsch-böhmische Heimatdichter Hans Watzlik engagierte sich für sudetendeutsche Interessen und wurde für sein literarisches Wirken ausgezeichnet. In Regensburg gedenkt man ihm durch ein Ehrengrab.
Diesem gesondert zu beurteilendem Wirken steht allerdings in beiden Fällen ein sehr kritikwürdiges antisemitisches Verhalten gegenüber. Dies ist heutzutage klar und sollte insoweit berücksichtigt werden. Straßenbezeichnungen sind Momentaufnahmen des jeweiligen Zeitgeistes, möglicherweise verfügten zum damaligen Zeitpunkt die Vorschlagenden sowie die Entscheidungsträger der Stadt Forchheim keine ganzheitlichen Sichtweisen.
Man sollte im Vorfeld die Akzeptanz der Änderungen fördern, indem man Betroffene zu Beteiligten macht. Deshalb sollten in diesen Fällen Repräsentanten der Banater Schwaben bzw. der Sudentendeutschen Landsmannschaft sowie die jeweiligen Anwohner ins Boot geholt werden. Letztere haben unmittelbar die Folgen zu tragen und hinsichtlich Adressänderungen zumindest innerhalb der ersten Wochen einen nicht unerheblichen Umstellungsaufwand zu bewerkstelligen.

NN: Für den Fall von Umbenennungen: Welche Persönlichkeiten würden Sie stattdessen vorschlagen?

Grundsätzlich macht es Sinn, einen lokalen Kontext zu berücksichtigen. Dies war beispielsweise der Grund, dass sich die erwähnte Dietrich Bonhoeffer Straße in der Nähe der Christuskirche befindet.
In den konkreten Fällen geeignete Persönlichkeit wären beispielsweise der in Franken geborene NS-Widerstandskämpfer und spätere Bundesminister Jakob Kaiser oder der Schriftsteller Thomas Mann; oder aber der katholische Priester Johann Maier, der in der Schlussphase des dritten Reiches gehenkt wurde sowie auch die Ordensschwester Maria Kafka, die enthauptet wurde, weil sie zwei regimekritische Texte verfasste und sich weigerte, Kruzifixe aus Krankenzimmern zu entfernen. Hinsichtlich einer respektvollen und würdigen Erinnerungskultur gäbe es sicherlich weitere gute Vorschläge.



Pressemeldungen Fraktion